Ein kurzer Blick ins Supermarktregal offenbart eine scheinbar verführerische Auswahl an Energydrinks, die mit verlockenden Begriffen wie „Zero“, „Light“ oder „Sugar-free“ werben. Für Verbraucher, die auf ihre Figur achten oder eine Diät einhalten möchten, scheinen diese Produkte die perfekte Lösung zu sein. Doch hinter den glänzenden Dosen und wohlklingenden Bezeichnungen verbirgt sich oft eine komplexere Realität, die bei näherer Betrachtung erhebliche Überraschungen bereithält.
Die Tücken der „Zero“-Versprechen
Wenn auf einem Energydrink „Zero“ prangt, erwarten die meisten Verbraucher ein Produkt ohne Kalorien. Diese Annahme ist jedoch nur teilweise korrekt. Während der Zuckergehalt tatsächlich drastisch reduziert wird, bedeutet dies keineswegs, dass das Getränk völlig kalorienfrei ist. Stattdessen enthalten diese Produkte eine Kombination verschiedener Süßstoffe wie Sucralose oder Acesulfam K, die als Zuckerersatz dienen.
Zuckerfreie Energydrinks nutzen diese künstlichen Süßungsmittel, um den gewohnten süßen Geschmack zu erhalten, ohne dabei die Kalorienmenge herkömmlicher Varianten zu erreichen. Dennoch können andere energieliefernde Inhaltsstoffe wie bestimmte Aminosäuren oder Trägersubstanzen für Aromen durchaus einen geringen Kaloriengehalt aufweisen.
Light-Produkte: Ein Spiel mit Vergleichswerten
Der Begriff „Light“ führt häufig zu noch größeren Missverständnissen. Rechtlich gesehen muss ein Light-Produkt lediglich 30 Prozent weniger Kalorien, Zucker oder Fett enthalten als das entsprechende Standardprodukt desselben Herstellers. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Getränk diätfreundlich ist.
Die Ausgangslage verdeutlicht die Problematik: Herkömmliche Energydrinks enthalten erhebliche Zuckermengen. Eine große Dose von 500 Millilitern kann rund 60 Gramm Zucker enthalten. Selbst bei einer 30-prozentigen Reduktion bleibt eine beachtliche Menge übrig, die für Personen in einer kalorienreduzierten Diät durchaus relevant sein kann.
Sugar-free: Zuckerfrei, aber nicht süßstofffrei
Die Bezeichnung „Sugar-free“ oder „zuckerfrei“ bezieht sich ausschließlich auf herkömmlichen Haushaltszucker und ähnliche Saccharide. Diese Produkte enthalten stattdessen meist eine Kombination verschiedener Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe, die ihre eigenen metabolischen Auswirkungen haben können.
Künstliche Süßungsmittel können bei empfindlichen Personen zu Verdauungsproblemen führen. Zudem zeigen Ernährungsexperten auf, dass regelmäßiger Konsum von Süßstoffen das Geschmacksempfinden verändern kann, wodurch zunehmend stärkere Süße nötig wird, um denselben Geschmackseindruck zu erzielen.
Versteckte Kalorien in Energydrinks
Neben den offensichtlichen Zuckern und Süßstoffen enthalten Energydrinks weitere Inhaltsstoffe, die zum Gesamtenergiegehalt beitragen können:
- Taurin: Diese Aminosäure wird häufig in größeren Mengen zugesetzt und ist ein charakteristischer Bestandteil vieler Energydrinks
- B-Vitamine in synthetischer Form: Können in hoher Konzentration den Stoffwechsel beeinflussen
- Natürliche Aromen: Oft auf Trägerstoffen basierend, die ebenfalls Energie liefern können
- Konservierungsmittel: Manche enthalten geringe Mengen an energieliefernden Substanzen
Tests von Verbraucherorganisationen offenbaren erschreckende Zahlen: Bei 21 von 22 untersuchten Energydrinks lag der Zuckergehalt deutlich über den empfohlenen Werten. Ein typischer Energydrink enthält etwa elf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 50 Gramm Zucker pro Tag – eine Menge, die bereits mit zwei herkömmlichen Dosen überschritten wird.
Studien zeigen, dass 86 Prozent der untersuchten Getränke mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten. Die Realität der Zuckermenge verdeutlicht, warum selbst die „Light“-Varianten noch erhebliche Zuckermengen aufweisen können.
Die Psychologie der Verkaufsbezeichnungen
Hersteller nutzen geschickt psychologische Mechanismen, um ihre Produkte attraktiver erscheinen zu lassen. Begriffe wie „Zero“, „Light“ oder „Sugar-free“ aktivieren im Gehirn positive Assoziationen mit Gesundheit und Gewichtskontrolle. Diese mentale Verknüpfung kann dazu führen, dass Verbraucher größere Mengen konsumieren, weil sie glauben, ein „harmloses“ Produkt zu sich zu nehmen.
Beobachtungen zeigen, dass Menschen dazu neigen, bei als „gesund“ beworbenen Produkten die Portionsgrößen zu unterschätzen und häufiger zuzugreifen. Dieser Effekt kann paradoxerweise dazu führen, dass der Gesamtkalorienverbrauch sogar höher ausfällt als bei bewusstem Konsum der regulären Variante.
Praktische Tipps für bewusste Verbraucher
Um nicht in die Falle irreführender Verkaufsbezeichnungen zu tappen, sollten Verbraucher einige wichtige Strategien befolgen. Der Blick auf die Nährwerttabelle ist unerlässlich – hier finden sich die tatsächlichen Angaben zu Kalorien, Kohlenhydraten und anderen relevanten Nährstoffen pro 100 Milliliter und pro Portion.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Portionsgröße: Viele Hersteller geben Nährwerte pro 100 Milliliter an, während eine Dose oft 250, 330 oder sogar 500 Milliliter enthält. Eine schnelle Kopfrechnung zeigt dann die tatsächlich konsumierte Menge.
Zutatenliste richtig interpretieren
Die Reihenfolge der Zutaten auf der Verpackung folgt strengen gesetzlichen Vorgaben: Sie sind nach Gewichtsanteil absteigend sortiert. Stehen verschiedene Arten von Süßstoffen oder Zuckeraustauschstoffen weit oben in der Liste, deutet dies auf einen hohen Anteil dieser Substanzen hin.
Mehrere verschiedene Süßungsmittel in einem Produkt können außerdem darauf hinweisen, dass der Hersteller die jeweiligen Höchstmengen ausreizt, um einen möglichst süßen Geschmack zu erzielen. Verschiedene Zuckerarten in der Zutatenliste können zudem den tatsächlichen Gesamtzuckergehalt verschleiern.
Gesundheitliche Aspekte der Süßstoff-Alternative
Während zuckerfreie Varianten zunächst als gesündere Alternative erscheinen, bringen sie eigene Herausforderungen mit sich. Manche Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Süßstoffe und entwickeln Verdauungsbeschwerden. Ernährungsexperten der Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass regelmäßiger Süßstoffkonsum die Geschmacksschwelle erhöht.
Diese Gewöhnung kann dazu führen, dass natürlich süße Lebensmittel wie Obst weniger attraktiv werden und künstlich gesüßte Produkte bevorzugt werden. Langfristig kann dies die Ernährungsgewohnheiten ungünstig beeinflussen.
Bei der Entscheidung zwischen zuckerhaltigen und zuckerfreien Energydrinks gibt es somit keine einfache Antwort. Beide Varianten bergen spezifische Risiken und sollten nur in Maßen konsumiert werden. Wer auf Energydrinks nicht verzichten möchte, sollte die Inhaltsstoffe genau prüfen und bewusst kleine Mengen wählen – unabhängig davon, welche verlockenden Bezeichnungen auf der Dose stehen.
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